
Die ersten in Europa nachgewiesenen Geschütze (um 1326) sind allenfalls als Vorläufer zu werten. Die bauchig geformten kleinen Schießapparate wurden wegen ihres Aussehens "Flaschengeschütze" genannt. Aus den etwa 30 Zentimeter langen Bronzeläufen konnten Bolzen, Pfeile. Kieselsteine oder Metallbröckchen verschossen werden. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts spielten Pulverwaffen noch eine bescheidene Rolle. Danach kam es bei den Feuerwaffen zur Ausbildung einerseits der Handfeuerwaffen und andererseits der so bezeichneten Steinbüchsen (im Hinblick auf deren Munition, nämlich Steine). Die Steinbüchsen wurden anfangs aus Eisen gegossen oder geschmiedet, danach vornehmlich aus Bronze gegossen. Äußeres Kennzeichen der Steinbüchse ist die vom Rohr (Flug) deutlich abgesetzte viel kleinere Pulverkammer. Mit der Steinbüchse trat das erste echte Geschütz in der Artilleriegeschichte in Erscheinung. Der Zeitpunkt liegt zwischen 1370 und 1380. Neben der Herstellung von Steinbüchsen nahm auch die elitäre Zunft der "Feuerkundigen" beziehungsweise der "Feuerwerker" einen gewaltigen Aufschwung. Die Meister der "neuen Kunst" hüteten eifersüchtig ihre jeweiligen Pulverrezepte und bestimmte Kniffe und Tricks. Freilich provozierte die "unritterliche Waffe" auch Proteste und Schmähschriften. Das hinderte andere Zeitgenossen nicht, die einmal vorhandene Steinbüchse sogar noch zu verbessern — und zu vergrößern.

